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ÖSTERREICH: Ökumene und Politik solidarisch mit verfolgten Kopten

Kardinal Schönborn und Außenminister Kurz bei koptischer Gebetsversammlung in Wien zum Gedenken an die jüngst in Alexandria und Tanta sowie Anfang 2015 in Libyen ermordeten ägyptischen Christen

Wien – Nur die Liebe kann den Hass überwinden: Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn gestern Abend in der jetzt koptischen Kirche Maria vom Siege am Wiener Mariahilfer Gürtel beim ökumenischen Gebet für die verfolgten Christen. Der Wiener Erzbischof berichtete von seiner Begegnung im letzten Herbst mit den Familien der in Libyen von IS (Daesh)-Terroristen ermordeten koptischen Arbeitsmigranten. Auf den Gesichtern der Frauen dieser jungen Märtyrer sei kein Hass gewesen, keine Bitterkeit, ein großer Schmerz, aber auch ein Leuchten. „Hier wurde deutlich, dass ein Sieg errungen ist über den Hass“, sagte der Kardinal. Den koptischen Märtyrern der letzten Jahre, der koptischen Kirche insgesamt, sei für ihr Zeugnis zu danken, betonte Schönborn. Der Dank gelte aber auch dem ägyptischen Präsidenten Abd-el-Fattah al-Sisi, der in der im Bau befindlichen neuen Hauptstadt Neu-Kairo eine Kathedrale für die Märtyrer bauen lasse als Zeichen, „dass der Hass Ägypten nicht auseinanderbrechen lässt“. Das Zeugnis der koptischen Märtyrer bedeute, dass „der Weg der Liebe in unserer friedlosen Welt stärker sein wird als der Hass“.

Schönborn-Besuch bei den Verwandten der in Libyen enthaupteten Kopten

Er habe es als „großes Privileg“ empfunden, bei seinem Ägypten-Besuch bei Papst-Patriarch Tawadros II. im vergangenen Oktober die Familien der in Libyen ermordeten koptischen Märtyrer besuchen zu dürfen, stellte der Wiener Erzbischof fest. Trotz der Bedrängnis durch ihre Entführer hätten die jungen Märtyrer den christlichen Glauben nicht verleugnet. Besonders beeindruckt war er von den Worten einer Märtyrer-Witwe, die ihm mitteilte, dass sie für die Mörder bete und ihnen verzeihe.

In seiner Predigt unterstrich der Kardinal, dass Christus „in der Ohnmacht des Lammes“ in die Welt gekommen sei, um die Feindschaft zu töten, „damit die Menschen wieder eine Familie sein können“. Denn trotz aller begrüßenswerten Bemühungen – von Verhandlungen bis zu Werken der Nächstenliebe – könne letztlich nur Christus, der sein Leben für die Menschen hingegeben habe, wahren Frieden bringen und den Hass überwinden.

© G. Matuschka/CSI

Außenminister Kurz: „Nicht wegsehen, wenn es anderswo nicht so gut läuft!“

Nach dem Gebet in der überfüllten Kirche unterstrich Außenminister Sebastian Kurz (im Bild oben), der der koptischen Gemeinde freundschaftlich verbunden ist, die Bedeutung der Religionsfreiheit, die „in vielen Ländern keine Selbstverständlichkeit ist“. Als Außenminister treffe er bei seinen Reisen immer wieder mit den Repräsentanten christlicher und anderer religiöser Minoritäten zusammen und erlebe dabei, dass die Situation in so manchen Ländern „alles andere als gut“ ist, berichtete Kurz. Umso wichtiger sei es, sich weltweit für Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung einzusetzen. Das Außenministerium werde die Umsetzung der EU-Leitlinien zur Religionsfreiheit weiterhin mit Nachdruck verfolgen. Als Integrationsminister danke er den christlichen Kirchen in Österreich, dass sie durch die Präsenz vieler christlicher Zuwanderer das Christentum in Österreich „vielfältig und aktiv“ gestalten, so Kurz. In Österreich werde der Beitrag der vielen Menschen geschätzt, denen der Glaube Kraft gibt, stellte der Minister fest. Das Leben in Österreich sei durch vergleichsweise großen Wohlstand, Stabilität und Frieden gekennzeichnet. Das bringe auch die Verantwortung mit sich, „nicht wegzusehen, wenn es anderswo nicht so gut läuft“. Als Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen in anderen Ländern seien daher auch die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit und für den internationalen Katastrophenfonds erhöht worden.

 Koptischer Bischof Gabriel: „Christentum wird gestärkt aus der Verfolgung hervorgehen“

Am Beginn der Gebetsversammlung hatte der koptisch-orthodoxe Wiener Bischof Anba Gabriel dargelegt, dass es vor allem auch um das Gedenken an die Opfer der Attentate auf koptische Kirchen in Tanta und Alexandrien am Palmsonntag sowie auf die St. Peter-und-Paul-Kirche in Kairo am 11. Dezember des Vorjahrs gehe. Verfolgung sei für die Christen eine Tatsache, die bereits in der Bibel angekündigt ist. Bischof Gabriel zitierte die Stelle aus dem Johannes-Evangelium, in der Jesus sagt: „Es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten“. Aber schon im Alten Testament werde auch gesagt, dass das Volk Gottes durch Verfolgung gestärkt wird. Daher werde auch das Christentum aus der Verfolgung gestärkt hervorgehen. Bischof Gabriel schilderte, wie er das selbst als Student Ende der 1970er Jahre – „als die Kopten in Ägypten auch große Schwierigkeiten hatten“ – erleben konnte.

Unter den zahlreichen Gästen war auch der ägyptische Botschafter

In der Kirche waren etliche Vertreter der Ökumene anwesend (darunter auch von CSI-Österreich, Anm.) ebenso der ägyptische Botschafter Omar A. Yousef. Die zahlreich erschienenen koptischen Gläubigen brachten offiziell zum Ausdruck, dass sie sich ebenso als „Vollblutkopten wie auch als Vollblutösterreicher“ fühlen.

Die früher katholische Kirche ist am 20. Mai 2016 an die stark wachsende koptische Gemeinde übertragen worden. Papst-Patriarch Tawadros II. kam eigens nach Wien, um in Anwesenheit von Kardinal Schönborn den Altar der Kirche zu weihen. In Österreich gibt es rund 12.000 koptisch-orthodoxe Christen, die meisten davon leben in Wien. (poi/csi)

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