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Weltverfolgungsindex 2017: Christen werden derzeit weltweit massiver denn je verfolgt

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Christen sind weltweit die am häufigsten verfolgte Religionsgruppe: „Weit mehr als über 100.000 Christen werden jedes Jahr nur aufgrund ihres Glaubens getötet“ verkündete Ján Figel, EU-Sonderbeauftragter für Religionsfreiheit erst Ende November 2016 bei einer internationalen Tagung in Wien über „Christen in Bedrängnis“. Das ist eine erschreckende Zahl. Noch alarmierender sind die gestern im neuen sog. „Weltverfolgungsindex 2017“ von Open Doors (*) veröffentlichte Zahlen. Demnach leiden sogar „mehr als 200.000 Christen unter einem hohen Maß an Verfolgung.“

Islamistische Extremisten sind länderübergreifend gegen Christen aktiv

Die Lage der rund 650 Millionen Christen, die als Minderheit in den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex leben, hat sich laut Open Doors von Jahr zu Jahr verschlechtert: Im Umfeld des „Arabischen Frühlings“ traten sowohl regionale als auch länderübergreifend aktive islamistische Gruppen wie der sog. IS und die nigerianische Terrormiliz Boko Haram verstärkt auf den Plan. Immer wieder wurden Christen zur Zielscheibe ihrer Angriffe. Ein Beispiel: Die systematische Vertreibung der Christen aus der irakischen Metropole Mosul im Sommer 2014, bei der ihre Häuser mit dem arabischen „N“ für „Nazarener“ (abwertende Bezeichnung für „Christen“, Anm.) markiert wurden. Die Botschaft der Islamisten war unmissverständlich: Ihr Christen, unterwerft euch dem Islam und zahlt die Kopfsteuer, sonst müsst ihr Eure Wohnung für immer verlassen und es bleibt euch nur noch das Schwert!

Über eine Million Christen sind vor den Attacken der nigerianischen Terrormiliz Boko Haram geflüchtet

Parallel dazu verschärfte sich auch die Situation in Afrika. Allein in den nördlichen Scharia-Staaten Nigerias wurden in den letzten Jahren tausende Kirchen zerstört oder geschlossen. Über eine Million Christen sind bereits vor den Attacken muslimischer Extremisten geflohen. (Kleiner Lichtblick: Inzwischen wurde Boko Haram etwas zurückgedrängt. 2016 ermordete diese Terrormiliz zwar immer noch 695 Christen, doch im Jahr davor waren es 4.028, Anm.)

Rangliste der Länder
1. Nordkorea 26. Bangladesh
2. Somalia 27. Jordanien
3. Afghanistan 28. Myanmar
4. Pakistan 29. Tunesien
5. Sudan 30. Bhutan
6. Syrien 31. Malaysia
7. Irak 32. Mali
8. Iran 33. Tansania
9. Jemen 34. Zentralafrikanische Republik
10. Eritrea 35. Tadschikistan
11. Libyen 36. Algerien
12. Nigeria 37. Türkei
13. Malediven 38. Kuwait
14. Saudi-Arabien 39. China
15. Indien 40. Dschibuti
16. Usbekistan 41. Mexiko
17. Vietnam 42. Komoren
18. Kenia 43. Kasachstan
19. Turkmenistan 44. Ver. Arab. Emirate
20. Katar 45. Sri Lanka
21. Ägypten 46. Indonesien
22. Äthiopien 47. Mauretanien
23. Palästinensergebiete 48. Bahrain
24. Laos 49. Oman
25. Brunei 50. Kolumbien

Von Nordkorea bis Eritrea: Christen leben in Arbeitslagern sowie in Schiffscontainern und werden mit Folter und Tod bedroht  

Nordkorea belegt erneut den unrühmlichen ersten Rang auf dem Weltverfolgungsindex (s. obige Tabelle). Die etwa 300.000 Christen können unter der Herrschaft von Kim Jong Un nur im Untergrund überleben. Findet man sie, drohen ihnen Hinrichtung oder Straflager. Etwa 70.000 von ihnen sind Folter und härtester Zwangsarbeit ausgesetzt. Von Platz 4 auf 2 vorgerückt ist Somalia, wo nur einige hundert Christen muslimischer Herkunft leben. Im Falle ihrer Entdeckung müssen sie damit rechnen, auf der Stelle ermordet zu werden. Besonders hart getroffen wurde die Kirche in Pakistan, wo allein am Ostersonntag 2016 in Lahore mehr als 50 Christen bei einem gezielten Anschlag den Tod fanden. Im Sudan lässt die Regierung erneut Kirchengebäude abreißen und Christen verhaften; einigen droht die Todesstrafe. In den überwiegend von Christen bewohnten Nuba-Bergen lässt der islamistische Präsident Omar Bashir – laut Open Doors – seit Jahren Bomben auf die eigene Bevölkerung abwerfen und zerstört christliche Schulen, Krankenhäuser und Kirchen. In Syrien und dem Irak lebt nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen christlichen Bevölkerung. (Mehr als 80 % der irakischen Christen haben in den letzten Jahren ihr Land verlassen, Anm.)

Im kriegsgebeutelten Jemen breiten sich islamische Extremisten weiter aus. Einheimischen Christen – zumeist ehemalige Muslime, die zum Christentum konvertiert sind – droht die Ermordung. Das Ayatollah-Regime im Iran geht weiter hart gegen die stark wachsende Anzahl der Konvertiten vor und setzt sie häufig mit Folter unter Druck, zum Islam zurückzukehren. Mehr als 90 Christen wurden 2016 verhaftet. In Eritrea sind Hunderte von Christen in Schiffscontainern und unterirdischen Verliesen eingesperrt.

Asien: Religiös motivierter Nationalismus auf dem Vormarsch

Auch in hinduistischen und buddhistischen Ländern Asiens hat der Druck auf Christen durch verstärktem religiösen Nationalismus kontinuierlich zugenommen. Indien steht auf dem Weltverfolgungsindex so weit vorn wie nie zuvor (auf Platz 15). Unter Präsident Modi und seiner religiös-nationalistischen Bharatiya Janata Partei verprügeln Hindu-Nationalisten immer häufiger Pastoren, brennen Kirchen nieder und üben massiven Druck auf Konvertiten aus, zum Hinduismus zurückzukehren. Die Täter, als Gefolgsleute von Präsident Modi, gehen meist straffrei aus. Etwa 39 der 64 Millionen Christen im Land sind betroffen, besonders auch die kastenlosen Dalits, die sich in großer Zahl dem christlichen Glauben zuwenden.

Deutlich verschlechtert hat sich auch die Lage der Christen in Laos, Bangladesch, Bhutan und Sri Lanka, ebenfalls überwiegend durch religiös-nationalistische Bestrebungen. Dies gilt auch für die von Präsident Erdogan hart auf islamisch-konservativen Kurs eingeschworene Türkei, die gleich um 8 Plätze von 45 auf 37 aufsteigt. Die Religionsfreiheit für Christen ist dort stark eingeschränkt.

Islamische Unterdrückung bleibt maßgebliche Ursache für herrschende  Christenverfolgung

Die meisten der 50 Länder auf dem Weltverfolgungsindex liegen im Nahen Osten und in Nordafrika. In acht der ersten zehn und in 35 der insgesamt aufgeführten 50 Länder ist islamische Unterdrückung die maßgebliche Ursache für die herrschende Christenverfolgung. Besonders betroffen sind Christen muslimischer Herkunft, deren Zahl weltweit wächst. Laut Koran gilt der Abfall vom Islam („Apostasie“) als todeswürdiges Verbrechen. Deshalb stehen Konvertiten unter besonderem Verfolgungsdruck, nicht nur seitens islamischer Geistlicher und Regierungen, sondern auch durch die Gesellschaft bis hin in die eigene Familie. Selbst traditionelle Kirchen lehnen die Aufnahme von Konvertiten in der Regel ab, da dies zu Verhaftungen der Kirchenleiter und zur Schließung der Kirche führen kann.  (Open Doors/CSI)

(*) einem überkonfessionellen christlichen Hilfswerk

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