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Schatten im Sonnenparadies – Christenverfolgung in Urlaubsdestinationen

Interview von Imo Trojan mit CSI-Sprecherin Pia de Simony

Imo Trojan: Länder wie Ägypten oder die Malediven sind beliebte Urlaubsdestinationen. Was wenige Touristen wissen: In diesen Ländern werden Christen diskriminiert. Wie ist denn die Lage für Christen in Ägypten?

Pia de Simony: Unterschwellig ziemlich explosiv. Der gesellschaftliche und kulturelle Einfluss der Moslembrüder mit ihrer anti-westlichen Grundeinstellung wächst, wie es die Einführung einer strengeren Version des Scharia-Rechtes und das zunehmende Tragen von Kopftüchern durch Frauen zeigt. Aus dem einst laizistischen Ägypten wird allmählich ein moslemischer Gottesstaat mit allen anti-demokratischen und menschenrechtswidrigen Begleitumständen. Diese bescheren der Bevölkerung nicht Frieden, sondern Verarmung, bürgerkriegsähnliche Zustände und jetzt zunehmende Unterdrückung. Gutvernetzte, in Wien lebende Kopten bestätigen dies.

Imo Trojan: Wenn man nach Ägypten auf Urlaub fährt, was sollte man da im Hinblick auf die eingeschränkte Religionsfreiheit bedenken?

©  KNA
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Pia de Simony: Dass es beim Besuch eines koptischen Gottesdienstes jederzeit gefährlich werden kann. Die meisten Bombenanschläge, Kopten gegenüber, richten sich gegen ihre Kirchen. Das hat in der Vergangenheit immer wieder Todesopfer gefordert. Seit dem ägyptischen Machtwechsel wurden 25 Gotteshäuser angegriffen, insgesamt 59 Christen starben bei gewaltsamen Ausschreitungen. Beim letzten Angriff vom vergangenen 7. April auf die Kairoer Markuskathedrale (s. Bild) gab es 2 Tote und rund 90 Verletzte…

 

Imo Trojan: Die Malediven liegen im Weltverfolgungsindex 2012 auf dem unrühmlichen 6. Platz. Wie ist die Situation für Christen in diesem „Inselparadies“?

Pia de Simony: Sie leben in einem Klima der Angst. Die meisten unter ihnen sind ausländische Gastarbeiter, die faktisch gezwungen sind, ihren Glauben geheim auszuüben. So sind sie nicht einmal von der offiziellen Statistik erfasst. Rund 700 Christen, die man als solche entdeckt hat, ist seit 2008 die maledivische Staatsbürgerschaft entzogen worden. Das heißt im Klartext: Sie wurden von heute auf morgen zu Staatenlosen, ihrer Bürgerrechte beraubt.

Imo Trojan: Stimmt es, dass man auf die Malediven keine Bibel mitnehmen darf?

Pia de Simony: Touristen dürfen das schon, doch nur für den Eigenbedarf. Versucht einer von ihnen mit der Bibel einheimische Muslime zum christlichen Glauben zu bewegen, drohen ihm 2 bis 5 Jahre Haft. Das islamische Recht verbietet eine andere Religion als den Islam zu praktizieren.

Imo Trojan: Grundlegend gefragt: Ist es ethisch vertretbar, in Ländern zu reisen, in denen Christen leiden – etwa auf die Malediven oder nach Ägypten – oder sollte man solche Länder touristisch boykottieren?

Pia de Simony: Da sollte man, meiner Meinung nach, von Land zu Land differenzieren. Die Malediven etwa, so paradiesisch schön sie auch sein mögen, würde ich persönlich meiden. Wenn kaum noch Touristen auf diesen Inseln Urlaub machen würden, wären die einheimischen Politiker aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, ernsthaft über das Thema Religionsfreiheit für die dort lebenden Christen nachzudenken.

Ganz anders ist die Situation in Ägypten, wo rund 10 Millionen Kopten – einheimische Christen – leben.  Etliche unter ihnen leiten größere Hotels und sind in der Fremdenverkehrsbranche recht erfolgreich.  Wenn dort die Touristen ausblieben, würden sie den Kopten ihre Lebensgrundlage entziehen. Das hätte einen noch größeren Exodus zur Folge. Ca. 1, 5 Millionen Kopten befinden sich ohnehin schon in der weltweiten Diaspora und haben ihrem Heimatland wegen der unsicheren Lage bereits endgültig den Rücken gekehrt…

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