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Pakistan: Sind christliche Buben und Mädchen plötzlich Freiwild?

601px-Pakistan_on_the_globe_(claimed_hatched)_(Afro-Eurasia_centered)Der lebensgefährliche Umgang mit dem umstrittenen „Blasphemie-Gesetz“:

Fall 1:
Katholisches Mädchen mit Down Syndrom der Gotteslästerung angeklagt und eingesperrt
Rimsha Masih, erst 11 Jahre alt, kann weder lesen noch schreiben. Aufgrund ihrer Behinderung steht ihre geistige Entwicklung auf dem Niveau eines jüngeren Kindes. Das kleine Mädchen sitzt seit Mitte August in pakistanischer Untersuchungshaft, weil sie in einem christlichen Slum nahe Islamabad angeblich einige Seiten eines verbrannten Korans mit sich führte.
Inzwischen löste ihre Geschichte im Westen große Entrüstung aus. Der französische Kurienkardinal Jean-Louis Tauran äußerte sich, tiefbetroffen, zu dem Fall: „Es handelt sich bei ihr um eine kleine Analphabetin. Sie hat Müll aufgelesen, um zu überleben; dabei hat sie auch die Fragmente dieses Buches aufgesammelt, die sie im Abfall gefunden hat. Bevor man behauptet, dass ein heiliger Text geschändet worden sei, sollte man erst einmal die Fakten verifizieren!“ Die heftige Empörung weltweit führte schließlich zur Verhaftung des Imam Khalid Jadoon, der nach Zeugenaussagen nun unter dringendem Verdacht steht, selber die Seiten des Koran zu den verbrannten hinzugefügt zu haben. (Erst bei Redaktionsschluss, am 8. Sept., erfuhren wir über Rimshas Freilassung am gleichen Tag gegen eine hohe Kaution, Anm. d. Red.) Nach drei Wochen Haft ist sie vorläufig frei. Doch ihr Leben ist in Gefahr. Die Angst ihrer Familie ist groß, dass muslimische Extremisten versuchen werden, früher oder später das Mädchen zu töten.

Fall 2:
11-jähriger Bub zu Tode gefoltert
Erst ein paar Tage nach dem Bekanntwerden des aufsehenerregenden Falles der kleinen Rimsha fanden Beamte in Faisalabad die Leiche des gleichaltrigen Samuel Yaqoob.
Sein Körper wies starke Spuren von Folter sowie schwere Verbrennungen auf. Gefunden wurde der junge Christ während der Endfeierlichkeiten des muslimischen Fastenmonats Ramadan. Lippen und Nase waren abgeschnitten, sein Magen entfernt und seine Beine verstümmelt. Der Bub wurde seit einer Woche vermisst. Er verließ sein Elternhaus, um einen Einkaufsmarkt aufzusuchen. Seine Verwandten konnten ihn trotz der schlimmen Verstümmelungen an einem Stirnmerkmal identifizieren.
In den lokalen Zeitungen wurde berichtet, dass es sich um den Sohn von Asia Bibi handelt, was nicht stimmen kann, da sie Mutter von 5 Töchtern ist. (Seriöse Quellen haben seine eindeutige Herkunft bis Redaktionsschluss noch nicht bestätigen können.) Die Christin Asia Bibi sitzt zu Unrecht, trotz weltweiter Proteste, wegen angeblicher Gotteslästerung seit Juni 2009 immer noch in Haft. Ihr droht die Todesstrafe. (CSI berichtet regelmäßig über sie.)

Fall 3:
Volksschülerin in Faisalabad vergewaltigt
Am 25. August wurde das erst 10 Jahre alte Mädchen Allah Rakhi vergewaltigt und in einem Haus zurückgelassen. Das Kind stammt aus einer christlichen Familie aus Medina Town in Faisalabad. Sie wurde von einem muslimischen Schrotthändler missbraucht, der mittlerweile verhaftet wurde. Laut Polizeibericht wollte das Mädchen in Begleitung seiner achtjährigen Schwester Suneha gesammelte Gegenstände an den 60jährigen Muhammad Nazir verkaufen. Als es zum Bezahlen ging, lockte er das Kind in seine Wohnung. Nach einiger Zeit des Wartens betrat ihre jüngere Schwester das Haus und fand die weinende Zehnjährige, halbnackt am Boden kauend. Suneha alarmierte daraufhin den Vater, der seine traumatisierte Tochter aus dem fremden Haus holte. Der Schrotthändler drohte ihm mit Vergeltung, sollte er den Fall publik machen. Ein Arzt bestätigte die Vergewaltigung des Mädchens und erstattete mit Hilfe von Menschenrechtsaktivisten Anzeige. Die Familie Rakhi hält sich seitdem an einem geheimen Ort auf, da sie Übergriffe fanatischer Muslime befürchtet.

„Blasphemie-Gesetz“ – Gesetz des Dschungels
von Pia de Simony
Das sog. „Blasphemie-Gesetz“ ist im pakistanischen Strafgesetzbuch seit 1986 verankert. Grundsätzlich verbietet es die Beleidigung jeder Religion. In vielen Fällen genügt ein reiner Verdacht der Gotteslästerung. Schwerste Strafen sind für die Schändung des Koran (Paragraf 295-B, lebenslange Haft) und die Beleidigung des Propheten Mohammeds (295-C, Todesstrafe) vorgesehen. Seit Jahren wird kritisiert, dass die Blasphemie-Gesetze in Pakistan dazu missbraucht werden, gegen Andersgläubige vorzugehen und vor allem um persönliche Streitigkeiten auszutragen. Von 1986 bis zum heutigen Tag wurden – laut Angaben des pakistanischen Komitees „Iustitia et Pax“ der katholischen Kirche – rund 1.000 Personen in Pakistan wegen Beleidigung des Islam vor Gericht gestellt.

Das sog. „Blasphemie-Gesetz“ ist ein heißes Eisen
Empörung über den willkürlichen Missbrauch dieses zweifelhaften Gesetzes herrscht, nach dem soeben geschilderten Fall, inzwischen auch bei einigen islamischen Religionsführern in Pakistan: „Die Art und Weise, wie hier der Blasphemie-Paragraph angewandt wird, erinnert an das Gesetz des Dschungels“ – so Tahir Ashrafi, Vorsitzender des einheimischen Ulema-Rates. Durch den Fall Rimsha erhielten christliche und muslimische Religionsführer die Möglichkeit, sich in der pakistanischen Öffentlichkeit zum umstrittenen „Blasphemie-Gesetz“ zu äußern. Das könnte, langfristig gesehen, womöglich zu einer Revision des Gesetzes führen. Inzwischen überlegt die Regierung sogar eine Sonderkommission einzurichten, die das Gesetz prüfen und  Vorschläge machen soll, wie ein solcher Missbrauch verhindert werden könnte und welche Strafen es im Falle falscher Anklagen geben sollte. „Dies wäre ein großer Fortschritt“ – meint P. John Shakir Nadeem, Leiter von Radio Veritas – „Es ist eine delikate Angelegenheit! Es wird erst etwas im kommenden Jahr geschehen, wenn wieder politische Wahlen stattfinden.“ Die Spannung liegt in der Luft.  Erst Anfang September konnte der Sonderberater des pakistanischen Premierministers für Nationale Harmonie, Paul Bhatti, der sich für das Mädchen Rimsha engagiert, aus Sicherheitsgründen sein Büro nicht verlassen. Er hatte eine Morddrohung erhalten. So wie zwei andere mutige Politiker, darunter der Minister für religiöse Angelegenheiten, die sich für faire Verfahren Christen gegenüber eingesetzt hatten. Sie wurden 2011 von islamischen Fundamentalisten umgebracht…

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