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Pakistan: Ohne Rechte keine Zukunft

CSI-Österreich im Gespräch mit Bischof Samson Shukardin

Wien/Hyderabad – Ende Jänner besuchte Samson Shukardin, katholischer Bischof von Hyderabad, für mehrere Tage Österreich. Im CSI-Büro berichtete der Geistliche über den dramatischen Alltag der christlichen Minderheit in Pakistan.

Die Situation der Christen in Pakistan ist prekär.
Wo liegen die Ursachen?

Die Ursachen sind vielfältig. Rund 96 Prozent der Einwohner Pakistans sind Muslime. Nur etwa 1,6 Prozent sind Christen. Nach der Staatsgründung 1947 war die Situation der Minderheiten besser als jetzt. Das änderte sich schlagartig mit der Machtübernahme von Zia-ul-Haq im Jahr 1977.  Seine Amtszeit bis 1988 war geprägt von der Ausrufung der islamischen Republik, der Islamisierung der gesamten Gesellschaft samt Wiedereinführung der islamischen Gesetzgebung, der Scharia.

Seit 1986 gilt der gefürchtete „Blasphemie-Paragraph“. Dieser sieht unter anderem die Todesstrafe bei Beleidigung des Propheten Mohammed vor und wird oft missbräuchlich verwendet. Leidtragende sind vor allem die Christen.

Wie sieht der Alltag der christlichen Minderheit aus?

Christen werden in allen Bereichen des öffentlichen Lebens benachteiligt. Unterdrückung und Verfolgung sind allgegenwärtig. Die Christen sind gesellschaftlich völlig ausgegrenzt. Die Möglichkeit auf besser bezahlte und sichere Arbeit ist den meisten verwehrt. Ihnen bleiben entweder die Arbeitslosigkeit, oder ein erbärmliches Dasein als Putzkraft und Lohnsklave. Christen sind durchwegs Tagelöhner. Das geringe Einkommen reicht kaum für die Familie. Verschärft wurde die Lage der Christen durch den Einfluss zahlreicher Fundamentalisten in den Bezirksparlamenten. Sie haben ganz wesentlich zur Radikalisierung unserer Gesellschaft beigetragen.

Samson Shukardin, katholischer Bischof von Hyderabad

Wer unterstützt die Radikalisierung im Land?

Die Benachteiligung von Christen im Alltagsleben wird von einem Großteil der muslimischen Bevölkerung toleriert. Christen spielen in der pakistanischen Gesellschaft keine Rolle. Es gibt nur wenige Muslime, die sich für mehr Toleranz einsetzen und die Gewalt gegen Christen und andere Minderheiten verurteilen. Doch sie haben weder Einfluss noch den Mut, an der dramatischen Situation etwas in naher Zukunft zu ändern. Die wenigen Versuche scheiterten oft an aufgewiegelten Menschenmassen mit Demonstrationen, Sitzstreiks und tagelangen Straßensperren. Die Wurzeln dieses Hasses liegen in den zahlreichen islamischen Schulen, die seit Jahren sogar vom Ausland finanziert werden. Hier werden die Schüler gezielt radikalisiert.

Dann sieht die Zukunft des Landes für die Christen aber düster aus…

Leider ja! Die Gegenwart ist geprägt von Hoffnungs-losigkeit. Derzeit wollen die meisten Menschen Pakistan verlassen. Die Muslime, weil sie keine wirtschaftliche Perspektive sehen. Doch die Christen trifft das noch härtere Los, weil sie zusätzlich verachtet, unterdrückt und verfolgt werden. Wir sind schon froh, dass die Anzahl der gegen Christen gerichteten Selbstmordanschläge abgenommen hat. Neben gesellschaftlicher Ächtung und Armut ist es die drohende Rechtlosigkeit der Christen. Einmal der Blasphemie angeklagt, droht dem Betroffenen ein unfairer Prozess, da niemand genug Geld für einen guten Anwalt hat. Gleichzeitig droht den Angehörigen die Lynchjustiz der Nachbarn. Hier setzt der Einsatz von CSI-Österreich an. Unsere Kirche kümmert sich um die rechtzeitige Beschaffung eines Anwalts und um eine sichere Bleibe der Familie. CSI-Österreich finanziert uns die anfallenden Kosten. Eine Soforthilfe, ohne die wir hilflos wären!

Hintergrundinformation:

Bischof Samson Shukardin ist auch ausgebildeter Rechtsanwalt. Er betreut die Agenden für Blasphemiefälle im Bistum Hyderabad* und unterstützt auch Blasphemieopfer in anderen Diözesen. Christen, die der Blasphemie angeklagt werden, sind zumeist mittellos. „Sie haben kein Geld, sondern nur Saatkörner in den Händen, die sie als Tagelöhner auf fremdem muslimischen Grund erhalten. Oft wird ihnen sogar das wenige Korn weggenommen“, berichtet Shukardin. Einmal der Blasphemie angeklagt, brauchen sie dringend einen Anwalt für ihre Verteidigung vor Gericht. Bischof Shukardin organisiert die benötigten Anwälte. CSI-Österreich übernimmt die anfallenden Kosten in einer ersten Soforthilfe. Hand in Hand mit Bischof Samson helfen wir unbürokratisch schnell. Damit kann oftmals verhindert werden, dass es zu einer Zusammenrottung eines Mobs kommt, der Lynchjustiz fordert. Ihre Spenden machen das möglich. Danke!

*Das Bistum umfasst große Teile des Bezirks Hyderabad sowie der Städte Larkana und Sukkur. Bei einer Fläche von rund 137.000 km² (fast die doppelte Fläche von Österreich) mit 22 Millionen Einwohnern kümmern sich 26 Priester und 89 Nonnen um knapp 50.000 Katholiken. 

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