NORDKOREA

Nordkorea nimmt seit Jahren im Weltverfolgungsindex den ersten Platz ein und ist somit trauriger Spitzenreiter. Christ-Sein ist in diesem kommunistisch regierten Land lebensgefährlich.

Staat und Religionsfreiheit

Staat und Religionsfreiheit

Schon unter der strengen Herrschaft des Diktators Kim Jong-il (gest. 2011) verschwanden weit mehr als 150.000 Christen spurlos. Seitdem sein Sohn Kim Jong Un die Macht übernommen hat, müssen weiterhin von den rund 300.000 (Geheim-)Christen etwa 40.000 von ihnen ein jämmerliches Dasein in mehr als 30 Straf- und politischen Umerziehungslagern fristen. Sie werden willkürlich als Arbeitssklaven gefangen gehalten. Flüchtlinge berichten von Folter, Vergewaltigungen und öffentlichen Hinrichtungen.

Jegliche christliche Aktivität wird im Keim erstickt

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Kim Jong Un (Grafik li.) ist Oberster Führer seines Überwachungsstaates und regiert mit eiserner Faust. Er wird von der Bevölkerung wie ein Gott auf Erden verehrt. Dieser allumfassende Personenkult lässt keine andere Religion zu. Sein Regime ist entschlossen, nach wie vor jegliche christliche Aktivität im Keim zu ersticken. Das trifft auch ausländische Christen, wie es u.a. die Verhaftung des koreanisch-kanadischen Pastors  Hyeun Soo Lim im Februar 2015 zeigte. Er hatte jahrelang humanitäre Hilfe in Nordkorea geleistet und wurde im Dezember 2015 wegen angeblich „staatsfeindlicher Aktivitäten“ zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Es grenzt an Wunder, dass er am 9. August 2017 überraschend freigelassen wurde. (Die koreanische Nachrichtenagentur KCNA begründete dies mit dem bedrohlich schlechten gesundheitlichen Zustand des Häftlings, Anm.)

Der koreanisch-chinesische Pastor Han Choong Yeol, hingegen, Leiter einer lokalen Kirchengemeinde mit ca. 600 Gottesdienstbesuchern, wurde am 30. April 2016  von Geheimagenten Nordkoreas ermordet.

Lage der Christen

Lage der Christen

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Bild: PSCORE Webseite

Auszüge aus einem aufschlussreichen IGFM-Interview mit dem nordkoreanischen Flüchtling Kim Young-Il, jetzt Gründer und Leiter der NGO „People for Successful Corean Reunification“ (PSCORE) in Südkorea.

Herr Kim, gibt es, ähnlich wie in China, eine Untergrundkirche in Ihrem Heimatland?

Vor dem Koreakrieg gab es im Norden sehr viele Christen, aber das Christentum und auch alle anderen Religionen wurden vom Regime mit äußerster Härte bekämpft. Alles, was beinhaltet, dass es etwas Höheres als den jeweiligen Führer geben könnte oder was außerhalb der staatlichen Ideologie Sinn stiften könnte, wird rigoros verfolgt und ausgelöscht. Physisch ausgelöscht.

Nordkorea hatte früher eine beachtliche christliche Tradition. Wurde die Hauptstadt Pjöngjang vor rund 100 Jahren nicht das „Jerusalem des Ostens“ genannt?

Der Koreakrieg begann 1950. Ob heute im Norden noch ein einziger Christ aus der Vorkriegszeit lebt? Wie viele mögen es geschafft haben, ihren Glauben an ihre Kinder und Enkel weiter zu geben? Zum Thema Religion gibt es eine sehr feindliche Propaganda des Regimes in den Schulen. Den Kindern werden vor allem Schauergeschichten von niederträchtigen amerikanischen Missionaren erzählt. Und selbst Kinder werden aufgefordert, ihre Angehörigen zu denunzieren. Vielleicht gibt es vereinzelt Christen, die ihren Glauben verheimlicht haben und so dem Straflager entgangen sind.

Vom Bibelschmuggel hört man immer wieder…

„Wird man bei solchen „Delikten“ erwischt, wird man meist erschossen.

Was ist mit den Kirchen in der Hauptstadt?

Es gibt nur ein paar Vorzeige-Kirchen in Pjöngjangso etwa die Russisch-Orthodoxe Kirche, 2006 erbaut – sonst nirgends. Es ist völlig durchsichtig, dass das Schauveranstaltungen der Regierung mit Leuten von der Staatssicherheit sind. Das gilt auch für die buddhistischen Tempel.

(Das Interview fand am 23. März 2016 in Frankfurt am Main statt.)

Das Christentum in Nordkorea wird offiziell durch die sog. „Koreanische Christliche Vereinigung“ vertreten. Diese ist eine vom Staat kontrollierte Institution, die für Kontakte mit ausländischen Kirchen und Regierungen zuständig ist.

Kurzinformation in Bilder

Kurzinformation in Bilder

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Bild: Wikipedia

Alle Nordkoreaner sind verpflichtet, den Vater des Vaterlandes, Staatsgründer und ersten Staatspräsidenten Kim Il-sung anzubeten. „An der schönsten Seite eines jeden Hauses in Nordkorea müssen Bilder von Kim Il-sung und seinem Sohn Kim Jong-il angebracht sein und gepflegt werden. Bei jeder Mahlzeit, bevor mit dem Essen begonnen wird, müssen die Familien auf diese beiden Gestalten schauen und beten: ‚Danke, Vater Kim Il-sung, für dieses Essen‘“. (Bild: Wikipedia)

Bild: Wikipedia

„Es gibt keine Priester in Nordkorea“, sagt einer der südkoreanischen Priester nach der Messe. Gottesdienste sind eine Farce um ausländischen Besuchern vorzugaukeln, dass es in Nordkorea katholische Gläubige und Religionsfreiheit gibt. In Wahrheit erfüllt die Kirche nur eine Schaufunktion. Das Regime lasse Funktionäre als katholische Priester oder evangelische Pfarrer auftreten, hat ein aus Nordkorea geflohener Funktionär in Südkorea kürzlich bestätigt. Die falschen Pfarrer arbeiten für das nordkoreanische Ministerium für die „Einheitsfront“. An der Kim-Il-sung-Universität würden sie in christlicher Terminologie unterwiesen, berichtete er. Und nicht nur die Pfarrer, auch die „Gläubigen“ seien von diesem Ministerium ernannt, um mit staatlichem Segen Kontakte im Ausland zu pflegen und Personen, die eine potentiell positive Einstellung zu Nordkorea hätten, darin zu bestärken. (Quelle: FAZ 1.12.2015; Bild: Wikipedia)

Nordkorea droht eine Hungersnot Eine Verkettung von Katastrophen und Planungsfehlern führt zur Ernährungslage von Kindern.
Bild: KNA

Christen gelten in Nordkorea als gefährliche politische Feinde. Schon allein der Besitz einer Bibel wird in Nordkorea mit der Todesstrafe oder Arbeitslager für die gesamte Familie bestraft. In den Arbeitslagern wird Zwangsarbeit auferlegt. Unterernährung, Arbeitspensum und fehlende medizinische Betreuung führen zum Tod zahlreicher Gefangener. Zudem weisen viele durch Arbeitsunfälle, Erfrierungen oder Folter herbeigeführte Verstümmelungen auf. Innerhalb des Lagers herrscht ein von Willkür geprägtes Bestrafungssystem. Zu langsames Arbeiten und Ungehorsam werden in der Regel mit Misshandlungen und Folter bestraft, Diebstahl, auch von Lebensmitteln, oder Fluchtversuche mit öffentlichen Hinrichtungen.

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Einzelfälle schwerer Verfolgung

Einzelfälle schwerer Verfolgung

Am 4. Oktober 2008 wurde Mr Kim Kwang Myung, 45, ein Katholik aus Wonsansi Gangwondo verhaftet, ihm wurde vorgeworfen, KurzwellenRadios verteilt zu haben. Nach Angaben des Berichts „ist nicht bekannt, ob er noch lebt“.

Am 10. März 2009 wurde Ms Seo Keum Ok, 30, aus Sineuijusi Pyunganbukdo verhaftet, weil sie Bibeln und CDs verteilt hatte. Sie wurde beschuldigt, Spionage betrieben zu haben, außerdem eine Katholikin mit Verbindungen zu den Vereinigten Staaten und Südkorea zu sein. Weiter wurde ihr vorgeworfen, Spionage über die Kernenergieanlagen in Keumchangri und Pyunganbukdo betrieben zu haben. Dem Bericht zufolge wurde sie „unbeschreiblicher Folter“ unterzogen. Es ist nicht bekannt, ob sie noch lebt. Ihr Mann, Kim Pyung Cheol, wurde auch verhaftet und eingekerkert, ihre zwei Kinder gelten als vermisst.

Am 16. Juni 2009 wurde Ms Ryi Hyuk Ok, 33, aus Ryongcheonsi Pyunganbukdo hingerichtet, weil sie angeblich Bibeln verteilt hatte. Sie war auch beschuldigt worden, Oppositionelle gegen das Regime organisiert zu haben, außerdem eine Spionin und eine Katholikin mit Verbindungen zu den Vereinigten Staaten und Südkorea zu sein. Der Ehemann, ihre drei Kinder und die Eltern wurden von der Sicherheitsbehörde der Provinz Pyungbuk zu der National Security Division (Abteilung für Nationale Sicherheit) am 17. Juni 2009 gebracht und am 22. in die Anstalt der Nationalen Sicherheitsdivision gesteckt, einem Gefängnis für politische Täter in Hweryung, Hambuk.

Im August 2010 kam die Meldung, dass 23 Christen verhaftet worden waren, drei davon wurden hingerichtet.

Im November 2012 wurde Kenneth Bae, ein USAmerikanischer Christ koreanischer Abstammung in Rason City verhaftet, als er sich mit einer Gruppe von fünf Europäern auf einer von ihm geführten Rundreise befand. Im Mai 2013 wurde er zu 15 Jahren schwerer Zwangsarbeit wegen angeblicher „Planung feindlicher Aktivitäten gegen die Demokratische Volksrepublik Korea“ verurteilt.

Im Januar 2013 wurden zwei nordkoreanische Christen getötet: Einer wurde an der Grenze erschossen, als er zu einem Bibel-Trainingskurs in China fahren wollte, der andere starb in einem Gefangenenlager. Dieses zweite Opfer hatte sich in China zum Christentum bekehrt und war dann nach Nordkorea zurückgekehrt, doch hatten die Behörden seine Bekehrung in Erfahrung gebracht und ließen ihn verhaften. Im Gefängnis wurde er gefoltert und zu harter Zwangsarbeit verurteilt. (Quelle: KIN Jahresbericht 2014)

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