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ÖSTERREICH: Interview mit Kardinal Schönborn beim heutigen CSI-Schweigemarsch für verfolgte Christen

 Warum ist die Teilnahme am CSI-Schweigemarsch für verfolgte Christen hier in Wien so wichtig?

 Sie ist ein Zeichen der Verbundenheit und des gemeinsamen Gebets für Frieden und Gerechtigkeit. Wir demonstrieren nicht, sondern wir erinnern daran, wie viele Christen in der Welt verfolgt werden aber auch wie viele andere Menschen unter der Gewalt leiden.

 

Mehr als 1000 Teilnehmer beteiligten sich auch heuer am CSI-Schweigemarsch für verfolgte Christen.

 

Sie wurden vor einigen Tagen – gemeinsam mit drei Patriarchen Syriens und dem Irak – vom US-Vizepräsidenten Pence in Washington empfangen. Ihr gemeinsames Ziel war es, die US-Regierung für die existentiellen Sorgen der Christen und anderen religiösen Minderheiten zu sensibilisieren. Ist von offizieller amerikanischer Seite her jetzt etwas geplant, um den Christen im Nahen Osten konkret zu helfen?

 Die amerikanische Regierung hat klar signalisiert, dass sie dem Geschick der Christen in der Region mehr Aufmerksamkeit widmen will und sich vermehrt um die Sicherheit der Christen bemühen wird. Das war eine mehrmals ausgesprochene Absicht vom Vizepräsidenten und auch im State Department haben wir eindeutige Zeichen in diese Richtung gehört. Was jetzt konkret geschehen wird, etwa in der Ninive-Ebene (der Urheimat der Christen im Irak, Anm.) und im hoffentlich bald befreitem Mosul kann man derzeit noch nicht sagen. Doch das Thema ist jetzt zumindest deutlicher als früher auf der Agenda der US-Regierung.

 Welche Botschaft möchten Sie trauernden, christlichen Familien mitgeben, die bei einem gezielten Terroranschlag ein Familienmitglied verloren haben?

 Wir haben auf unserer Reise in Ägypten die Familien der Märtyrer von Libyen besucht (der 21 vom IS enthaupteten Kopten im Februar 2015, Anm.) und festgestellt, dass nicht wir ihnen eine Botschaft geben, sondern sie uns: Die Botschaft, dass das Zeugnis für den Glauben bis hin zur Hingabe des Lebens nach wie vor bei den Kopten eine ganz starke Wirklichkeit ist. Diese Christen wissen, was es heißt, sich zu Christus zu bekennen…

 In Europa vermehren sich die Terroranschläge. Wien ist verschont geblieben. Wie kann die Sicherheit der Gläubigen während der Gottesdienste gewährleistet werden?

 Es gibt seit langem einen Personenschutz durch die Polizei bei großen Gottesdiensten. Im Stephansdom sind immer Polizisten – sowohl in Zivil als auch in Uniform – da, die genau hinschauen. Eine absolute Sicherheit gibt es nirgendwo auf der Welt, auch nicht in Österreich. Doch wir sind in guten Händen.

Das Gespräch führte Pia de Simony (Sprecherin von CSI-Österreich)

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