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DIE VERFOLGTE RELIGIÖSE MINDERHEIT DER JESIDEN

Papst Franziskus hat im Vatikan Anfang Jänner Mir Tashin Said Ali-Beg, das weltliche Oberhaupt der von der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) verfolgten Jesiden, empfangen.

Rund 5.000 jesidische Mädchen vom IS entführt und versklavt
Kopie_von_Mir_TahsinIm Gespräch mit dem Pontifex ging es um das Schicksal der schätzungsweise 5.000 jesidischen Frauen, die von der islamistischen Terrormiliz IS in ihrem Heimatgebiet Nordirak entführt, als Sex-Sklavinnen unterjocht, vergewaltigt und zum Teil verkauft wurden. Beim Papst bedankte sich Ali-Beg (s. Bild re.) besonders für die finanzielle Unterstützung seiner Leute in dieser schweren Zeit des Leidens, der Verfolgung und Unterdrückung.
Vor Weihnachten war es kurdischen Kämpfern dank Luftschlägen der USA gelungen, mehrere Tausend Jesiden im Sindschar-Gebirge zu befreien, die von IS-Kämpfern umzingelt waren. Hunderttausende waren zuvor vor den Dschihadisten geflüchtet.
Die Jesiden werden vom IS als „Teufelsanbeter“ betrachtet
Jesiden sind eine religiöse Minderheit unter den Kurden. Sie entstand nach den Überlieferungen um 2.000 vor Christus und versteht sich als Ursprungsreligion der Kurden. (Viele Kurden traten später zum Islam über, Anm.) Ursprünglich stammen sie aus dem Irak, Syrien, der Türkei und dem Iran. Heute leben sie vor allem in der Gegend des vorhin erwähnten Sindschar-Gebirges nördlich von der von dem IS eroberten Millionenstadt Mossul. 2014 hatte diese Terrormiliz das Jesidentum zu einer „heidnischen Religion aus vorislamischer Zeit“ deklariert. Sie betrachtet diese Volksgruppe als „Ungläubige und Teufelsanbeter“, weil sie auch den „Engel Pfau“ als zentrale Figur ihres Glaubens verehrt.

Seit Jahrtausenden verfolgt

Vorübergehend in Sicherheit: Einige der 20.000 traumatisierten Jesiden im Syrischen Flüchtlingslager Newroz
Vorübergehend in Sicherheit: Einige der 20.000 traumatisierten Jesiden im Syrischen Flüchtlingslager Newroz

Weltweit soll es rund 800.000 Jesiden geben, von denen etwa ein Drittel im Irak lebt. (Größere jesidische Gemeinden gibt es auch in der Türkei, in Georgien und in Armenien, Anm.) Doch wegen der jüngsten Verfolgungswelle –  vor allem im Irak – sind viele Anhänger dieser eigenständigen monotheistischen Religion inzwischen ins Ausland geflohen. Die Gemeinde in Deutschland zählt nach Angaben des Zentralrats der Jesiden rund 60.000 Menschen; in Österreich sind es etwa 800*. (csi/kna/dpa)

* Letztere Angaben stammen vom Politologen Thomas Schmidinger, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft zur Förderung der Kurdologie.

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