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China – Freie Religionsausübung weiter eingeschränkt

Peking/Vatikan – Seit Inkrafttreten neuer Religions-verordnungen in China Anfang Februar klagen Katholiken über neue Einschränkungen kirchlicher Aktivitäten. Wie die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV) in Göttingen berichtet, werden katholische Gemeinden von der staatlichen Religionsbehörde angewiesen, ihre Freizeitlager für Jugendliche nur noch unter staatlicher Kontrolle und an offiziell registrierten Freizeitstätten abzuhalten. Zudem wurde vor „illegalen religiösen Aktivitäten“ mit samt Androhung von Geld- und Haftstrafen gewarnt, kritisiert die Menschenrechtsorganisation. „Daher sollte sich der Vatikan genau überlegen, ob er mit neuen Zugeständnissen gegenüber Chinas Führung den Eindruck erwecken will, es gebe Religionsfreiheit in der Volksrepublik“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius.

Staatstreue Bischöfe vor Anerkennung?

Für Verwirrung und Empörung zugleich sorgen zudem Aussagen von Kurienbischof Marcelo Sánchez Sorondo im „Vatican Insider“. Darin wird er zitiert, dass in China die katholische Soziallehre derzeit „am besten“ verwirklicht ist und entgegen der Bedenken verschiedener westlicher Regierungen und Menschenrechtsorganisationen das Land „sich sehr gut entwickelt“. Seine Erklärungen fallen in eine Phase, in der über eine mögliche Annäherung des Vatikans gegenüber Peking in Frage der strittigen Bischofsernennungen berichtet wird.

„Wenn ein Abkommen zwischen China und dem Heiligen Stuhl tatsächlich zustande kommt, wird es keine Gerechtigkeit mehr geben“, zitiert „Ucanews“ die erboste Reaktion eines Untergrundpriesters. Ähnlich äußerte sich Hongkongs ehemaliger Erzbischof, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun. Mehrfach warnte er vor zu großem Entgegenkommen gegenüber dem Pekinger Regime und erinnerte an das „echte Leiden“ vieler Katholiken in China, die von den permanenten Schikanen der Behörden betroffen sind.

Xikai Kathedrale in Tianjin (Symbolbild) ©wikipedia

Offener Brief an Bischofskonferenzen

Zudem haben katholische Wissenschaftler, Anwälte und Menschenrechtler aus Hongkong, Großbritannien und den USA in einem offenen Brief an katholische Bischofskonferenzen weltweit dazu aufgerufen, die Verhandlungen des Heiligen Stuhls mit China zu überdenken. In dem Schreiben warnen die Unterzeichner vor nicht mehr rückgängig zu machenden Fehlern und äußern sich „tief schockiert und enttäuscht“ über eine mögliche Einigung zwischen dem Vatikan und Peking. Sie befürchten weiters eine mögliche Anerkennung von sieben `patriotischen´ chinesischen Bischöfen durch den Papst. Über eine solche Anerkennung war zuletzt spekuliert worden. Eine offizielle Bestätigung des Vatikans zu konkreten Maßnahmen in diese Richtung liegt allerdings bisher nicht vor.

Zur katholischen Kirche in China gehören einerseits Gläubige und Geistliche der sogenannten „Patriotischen Vereinigung“, die von der Regierung in Peking kontrolliert wird, sowie Priester, Bischöfe und Gemeinden, die allein Rom treu und von den Behörden nicht anerkannt sind. Die Grenzen zwischen `offizieller KIrche´ und  `Untergrundkirche´ sind oft fließend. Seit 1957 bestehen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China keine diplomatischen Beziehungen. Vor knapp vier Jahren wurden Gespräche aufgenommen. Anfang Februar spekulierten Medien über einen möglichen Durchbruch. Strittig in den Verhandlungen ist vor allem die Frage, wer Chinas Bischöfe ernennt – der Papst oder Peking.
(ucanews/vatican news/kap)

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