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Alle fünf Minuten wird weltweit ein Christ ermordet

Interview mit CSI-Sprecherin Pia de Simony zur heutigen Christenverfolgung.

Von den Medien weitgehend ignoriert, hat die Verfolgung von Christen in den letzten Jahren ein historisch nie dagewesenes Ausmaß erreicht.

Die blutigen Bombenanschläge der islamistischen Terrororganisationen „IS“ (sog. „Islamischer Staat“)  im Nahen Osten und auch der Terrormiliz Boko Haram in Nigeria gegen Christen füllen seit geraumer Zeit die Schlagzeilen, weil sie etliche Todesopfer forderten. Es gibt unzählige Übergriffe, subtile Schikanen und Repressionen, denen sich Christen vor allem in vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens (u.a. in Afghanistan, Pakistan, Syrien, Irak) sowie Afrikas (neben Nigeria auch Somalia, Sudan, Eritrea und Libyen) ausgesetzt sehen. Etliche von ihnen fühlen sich in ihrem eigenen Land längst nicht mehr sicher. Sie haben Angst, selbst ermordet zu werden und fliehen in die vermeintlich sichereren Nachbarländer. CSI-Österreich (Christian Solidarity International) nimmt diese gravierende Tendenz sehr ernst und ist besorgt.  CSI-Sprecherin Pia de Simony gibt in einem kurzen Überblick nachfolgend Antworten auf die wesentlichen Fragen zur heutigen Christenverfolgung und was die Christen im Westen dagegen tun können.

Wie steht es um die Religionsfreiheit weltweit?

Keineswegs gut. Etwa jeder zehnte Christ wird weltweit wegen seines Glaubens diskriminiert oder verfolgt – insgesamt weit mehr als 100 Millionen Menschen. Rund 75% der religiös Verfolgten sind Christen. Bei den aus religiösen Gründen Ermordeten entfallen ca. 80% auf unsere Glaubensbrüder- und -schwestern. Schärfer ausgedrückt: Alle fünf Minuten wird irgendwo in der Welt ein Christ, nur seines Glaubens wegen, umgebracht.

Welche Weltgegenden sind hauptsächlich von der Christenverfolgung betroffen?

Unveränderter Platzhalter Nr. 1 in der Rangliste des sog. Weltverfolgungsindex 2017“  von Open Doors ist das kommunistische Nordkorea mit seinem repressiven Regime, das keinerlei Opposition duldet. Gegenwärtig sind dort rund 70.000 Christen in mehr als 30 Straf- und Umerziehungslagern inhaftiert und Folterungen ausgesetzt.

Unter den weiteren traurigen „Top 14“ befinden sich mehrheitlich islamisch-regierte Länder wie Somalia (Platz 2), Afghanistan (3), Pakistan (4), Sudan (5), Syrien (6), Irak (7), Iran (8), Jemen (9) und Eritrea (10) gefolgt von Libyen (11), Nigeria (12), Malediven (13) und Saudi-Arabien (14).

Und wie sieht die Verfolgung konkret in diesen muslimischen Ländern aus?

In Afghanistan sind die Christen mehr oder weniger Freiwild, ohne Schutz und ohne Rechte. Die internationalen Bemühungen um Demokratie und Menschenrechte sind in dieser Hinsicht gescheitert. Gänzlich ohne Rechte leben auch die Christen in Saudi-Arabien. Die meisten von ihnen sind Gastarbeiter aus Südostasien. Sie dürfen weder Gottesdienste feiern noch eine Bibel besitzen. Werden sie beim Beten zu Hause erwischt, droht ihnen eine harte Strafe, im schlimmsten Falle eine Verhaftung mit unsicherem Ausgang. In Somalia gibt es offiziell keine Christen. Dennoch bekennen sich hunderte Somalier muslimischer Herkunft zum Christentum. Sie leben ihren Glauben unter strengster Geheimhaltung, aus Angst als „Christ“ entdeckt und gelyncht zu werden.

Im Nordirak haben IS-Truppen im Sommer 2014 alle Christen über Nacht aus ihren Heimatdörfern im biblischen Ninive-Tal vertrieben. Obwohl diese Ortschaften im Oktober 2016 von der irakischen Armee rückerobert wurden, haben die meisten christlichen Flüchtlinge große Angst, dorthin zurückzukehren. Der IS hat die meisten Häuser und Kirchen zerstört und die umliegenden Felder vermint. Auch in Syrien geht es dem IS darum, die sogenannten „Kreuzzügler“ auszurotten und ein Kalifat zu errichten. Viele wertvolle Denkmäler und antike Schriften wurden in diesen beiden Ländern inzwischen unwiederbringlich zerstört. Christen und Muslime, die sich in Pakistan gegen das Unrecht auflehnen, werden schlichtweg ermordet. So zwei mutige Politiker, unter ihnen 2011 der katholische Minister für Minderheiten Shahbaz Bhatti. Internationale Schlagzeilen machte die Christin und fünffache Mutter Asia Bibi: Wegen – vermeintlicher – Blasphemie wurde sie zum Tode verurteilt. Seit 2009 hofft sie in ihrer Zelle auf Begnadigung. Diese hier aufgeführten Fälle und Mißstände von schwerwiegender Christenverfolgung sind nur einige von vielen…

Warum sehen muslimisch dominierte Länder im Christentum eine Bedrohung?

Viele radikal-islamische Machthaber halten das Christentum für eine auszutilgende Irrlehre. Für sie sind Christen „Ungläubige“, die zum Islam – in ihren Augen die einzig gültige Religion – bekehrt werden sollten. Sie streben langfristig die Islamisierung der Welt an.

Was macht nun CSI-Österreich?

Als eine überkonfessionelle Menschenrechtsorganisation bietet CSI-Österreich (Christian Solidarity   International) in Pfarren und Schulen Vorträge über die aktuelle, brisante Lage mit der unsere verfolgten Glaubensbrüdern und -schwestern in vielen Teilen der Welt konfrontiert werden, an. Wir machen hierzulande auf das wachsende Problem aufmerksam, das uns auch in Europa – s. die verheerenden Terroranschläge in Paris, Istanbul und Jakarta ( letzter Stand: 2016) – nicht mehr kalt lassen kann.

CSI-Österreich setzt sich dafür ein, dass Christen in allen Ländern der Erde ihren Glauben in Freiheit leben können. Unsere Organisation wird besonders in jenen Fällen aktiv, in denen ein Christ aufgrund seiner religiösen Überzeugung inhaftiert bzw. gefoltert wird. Sie ist Sprachrohr für jene, die mundtot gemacht werden und erhebt ihre Stimme in der Öffentlichkeit überall dort, wo das Menschenrecht auf Religionsfreiheit mit Füßen getreten wird.

Wie setzen Sie dies konkret um?

Wir sensibilisieren die Öffentlichkeit über die lebensbedrohliche Lage Tausender verfolgter Christen durch einen alljährlich in Wien mit Kardinal Schönborn stattfindenden Schweigemarsch (neuerdings als Auftakt zur „Langen Nacht der Kirchen“, Anm.). Graz und Braunau folgen schon seit einigen Jahren dem Wiener Beispiel.

In jenen Fällen, in denen – wie vorhin erwähnt – ein Christ aufgrund seiner religiösen Überzeugung inhaftiert wird, informieren wir die Medien durch gezielte Meldungen, veröffentlichen einmal im Monat Hintergrundinfos in unserem „Christen in Not“-Magazin, bringen Petitionen bei den jeweiligen Botschaften ein. Durch unsere Vorträge in ganz Österreich wollen wir das Problembewusstsein auch der Jugend schärfen.

Versucht CSI auch im Vorfeld vorbeugende Maßnahmen zu setzen, wenn in einem Land die Religionsfreiheit ernsthaft gefährdet ist?

Ja sicher. Hier ein Beispiel aus jüngerer Zeit. Der inzwischen bekannt gewordene Fall des Bloggers Raif Badawi aus Saudi-Arabien. Der 31-Jährige wurde zu zehn Jahren Haft, einer Geldstrafe und 1000 Peitschenhieben verurteilt, die er an jedem Freitag auf einem öffentlichen Platz erhalten sollte. Sein „Verbrechen“ war, dass er eine islamkritische Website unterhielt, die sich aktiv für die Religionsfreiheit aller Menschen eingesetzt hatte. Außerdem habe er, laut Anklage, auf eine Facebook-Seite einer Solidaritätsgruppe für arabische Christen auf den „like“-Button gedrückt. Die ersten fünfzig Peitschenhiebe hat Badawi einstecken müssen. Aufgrund des weltweiten Protestes, auch von CSI, wurden die nächsten bis auf weiteres verschoben (Stand: 2017)

Welchen Beitrag kann der Einzelne leisten?

Uns geht es darum, unsere Glaubensbrüder und -schwestern in ihren jeweiligen Ländern politisch, moralisch und finanziell zu unterstützen, so gut es geht. Dazu brauchen wir nicht nur die Solidarität und das Gebet unserer gleichgesinnten Mitmenschen, sondern auch ihre Hilfe in Form von Spenden.

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